Die kreislauffähige Toilette als Baustein für die Umweltwende

Unser heutiges Sanitärsystem hat mit fast allem zu tun, was gerade in der Nachhaltigkeitsdebatte diskutiert wird. Mit Biodiversität, mit Energie, mit Wasser, mit CO₂, mit Bodengesundheit und somit auch mit der Ernährungssicherheit für die Weltbevölkerung. Eine kreislauffähige Toilette kann diese Probleme nicht allein lösen. Sie setzt aber an einem entscheidenden Knotenpunkt an und zeigt, wie sich Wasser sparen, Nährstoffe zurückgewinnen und gesunde Böden fördern lassen.

Schnellübersicht

Unsere Umweltprobleme und wie sie mit der Toilette zusammenhängen

Trinkwasser

Kaputte Böden und die schlechten Ernten sind ein akutes Problem. Deshalb stellen wir künstlich Stickstoffdünger her, um den Pflanzen die benötigten Nährstoffe zu geben. Ohne synthetischen Dünger, so heisst es, würde die Welt nicht satt. Wir sind uns da nicht so sicher. Denn diese Erzählung blendet aus, dass die moderne Sanitärinfrastruktur den natürlichen Düngerkreislauf unterbrochen hat. 

Jeder Mensch produziert täglich Urin, und Urin ist reiner, sofort pflanzenverfügbarer Dünger. Über ein Jahr gerechnet kommen pro Person rund 500 Liter zusammen. In diesen 500 Litern stecken wichtige Nährstoffe, nämlich ca. vier Kilogramm Stickstoff, ein halbes Kilo Phosphor und ein Kilo Kalium – genug, um damit über ein Jahr eine kleine Ackerfläche zu düngen! Statt den Urin zu nutzen, mischen wir dieses Material aber mit sauberem Trinkwasser und spülen es in die Kanalisation. Flutsch und weg!

Energie

Die Kläranlage muss dieses Trinkwasser danach mit grossem Energieaufwand wieder reinigen. Und der Stickstoff, den wir gerade weggespült haben? Den stellen wir künstlich neu her, damit er als Nährstoff wieder unseren Pflanzen zur Verfügung steht. Das geht über das sogenannte Haber-Bosch-Verfahren: Es bindet Stickstoff aus der Luft chemisch und macht ihn als Dünger nutzbar. 

Doch: der Preis dafür ist hoch. Mehrere unabhängige Studien kommen zum Ergebnis, dass die künstliche Stickstoffherstellung rund zwei Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verschlingt und damit für ein bis zwei Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Eine Auswertung beziffert den Erdgasverbrauch des Verfahrens sogar auf drei bis fünf Prozent der weltweiten Fördermenge. Zum Vergleich: Das ist mehr Energie, als viele mittelgrosse Volkswirtschaften insgesamt verbrauchen. Für einen einzigen Produktionsschritt in der Landwirtschaft.

Bodengesundheit

Unsere Böden haben eine Superkraft: Sie können CO₂ speichern. Genau darauf baut die international anerkannte 4-Promille-Initiative auf: Könnte man den Kohlenstoffgehalt landwirtschaftlicher Böden weltweit jährlich um 0,04 Prozent steigern, liesse sich damit ein relevanter Teil der globalen CO₂-Emissionen kompensieren. Dass unser Boden diese Superkraft ausführen kann, dafür braucht es eins: Humus.

Humus ist der organische Bestandteil des Bodens. Er speichert Wasser, bindet Nährstoffe, fördert das Bodenleben und sorgt dafür, dass Böden langfristig fruchtbar bleiben. Seine Bedeutung ist riesig: Fachleute gehen davon aus, dass bis zu 60 Prozent des Stickstoffs, den Kulturpflanzen tatsächlich aufnehmen, aus der organischen Bodensubstanz stammen – und nicht aus künstlichem Dünger. Wer fruchtbare Böden erhalten will, kommt deshalb am Aufbau von Humus und natürlichen Nährstoffkreisläufen nicht vorbei.

Biodiversität und natürliche Ökosysteme

Künstlicher Stickstoffdünger kann sogar zum Abbau von Humus führen. Aber nicht nur die Bodengesundheit leidet unter seinem Einsatz. Gelangt zu viel Stickstoffdünger auf Felder, können die Pflanzen ihn nicht vollständig aufnehmen. Der überschüssige Stickstoff wird mit Regen ausgewaschen und gelangt über Bäche und Flüsse in Seen und Meere.

Dort wirkt er wie ein Dünger für Algen: Sie vermehren sich explosionsartig und bilden sogenannte Algenblüten. Sterben diese Algen später ab, werden sie von Mikroorganismen zersetzt – ein Prozess, der grosse Mengen Sauerstoff verbraucht. Für Fische, Muscheln, Krebse und viele andere Wasserlebewesen bleibt dann kaum noch Sauerstoff zum Überleben. Es entstehen sogenannte Todeszonen. Eine wissenschaftliche Untersuchung zählte weltweit bereits über 400 solcher Gebiete – manche nur wenige Quadratkilometer gross, andere so gross wie kleine Länder.

So funktioniert das aktuelle System

  1. Wir scheiden wichtige Pflanzennährstoffe tagtäglich aus.
  2. Wir vermischen sie mit sauberem Trinkwasser und spülen sie weg.
  3. Die Kläranlage muss das Wasser energieintensiv wieder säubern.
  4. Und die Nährstoffe importieren wir künstlich hergestellt und teuer wieder aus dem Ausland zurück.

So funktioniert die kreislauffähige Toilette von Kompotoi

Kompotoi setzt genau dort an, wo der Stoffkreislauf heute unterbrochen wird. Wir betreiben in der Schweiz über 1’400 wasserlose Toiletten – für Gemeinden, Events, Baustellen und den Tourismus. Kein Trinkwasser, keine Chemie. Statt Nährstoffe als Abfall zu behandeln, bleiben sie erhalten und können wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden.

Ein Teil des Urins aus unseren Toiletten geht an Vuna, ein Spin-off der Wasserforschungsanstalt Eawag des ETH-Bereichs. Dort entsteht Aurin, der weltweit erste vollständig zugelassene Universaldünger aus menschlichem Urin. Auch die Feststoffe können zu nährstoffreichem, humusbildendem Kompost verarbeitet werden. Gemeinsam mit der Baumschule Kunz in Uster zeigen wir, dass menschliche Ausscheidungen sicher und hygienisch zu hochwertiger Komposterde werden können. Mehr dazu erfährst du in unserem Blog über das Pilotprojekt – inklusive der wissenschaftlichen Ergebnisse.

Wir engagieren uns auch bei VaLoo, dem Schweizer Netzwerk für ressourcenorientierte Sanitärsysteme, und NetSan, dem deutschsprachigen Netzwerk für nachhaltige Sanitärlösungen. Gemeinsam treiben wir Forschung, Regulierung und die Sanitärwende voran.

Kompotoi Piazza: Aue Chly Rhy

Die Toilette der Zukunft

Heute werden enorme Mengen Energie investiert, um Stickstoff künstlich herzustellen – während wir denselben Nährstoff gleichzeitig mit Trinkwasser wegspülen und als Abfall behandeln.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie stellen wir genug Dünger her, um die Welt zu ernähren?

Sondern: Wie viel künstlichen Dünger würden wir überhaupt noch brauchen, wenn wir den Kreislauf konsequent geschlossen hätten?

Kompotoi versteht sich als Teil der Lösung. Jede wasserlose Toilette ist ein kleiner Schritt hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Denn die wertvollsten Rohstoffe für morgen könnten genau jene sein, die wir heute noch die Toilette hinunterspülen

Weiterführende Links: naehrstoffwende.org

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Alles über den Kreislauf

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